Schulwald

Schulwald

"Lindlar Palast der Bäume"

Ein Gemeinschaftsprojekt

Lindlar Januar 2007

Der Sturm „Kyrill“ hinterlässt am 18.01.2007 wie in allen Teilen Deutschlands auch in den Lindlarer Wäldern seine Spuren. In der Nähe von Schloss Heiligenhoven sind auf einer Fläche von mehreren tausend Quadratmetern [m²] die Fichten umgeknickt wie Streichhölzer.

Für die Forstwirtschaft hier wie überall im Land sind die Zerstörungen durch den Sturm eine ungeheure Herausforderung. Allein für die  Fläche „Am Steimel“ bedeutet dies, dass 1970 Festmeter [fm] Holz geräumt, gelagert und abtransportiert werden müssen. Es entsteht die Idee, auf einem Teil der Fläche einen Schulwald einzurichten. Wo genau, zeigt die unten abgebildete Karte. Seit Februar 2007 nehmen wechselnde Schülergruppen am Projekt teil. 

 

© 2006 MagicMaps GmbH. Das interaktive Kartenwerk. NRW. http://www.magicmaps.de

© 2006 Bundesamt für Kartographie und Geodäsie. TK 1:25000 der Landesvermessungsämter. http://www.bkg.bund.de und www.lverma.nrw.de

Warum Schulwald ?

Unser Schulwald soll  als „außerschulischer Lernort“ durch die Zusammenarbeit von Lehrern, Schülern und Forstfachleuten die Erfahrungswelt der Schüler bereichern. Bei den Räum-, Pflanz- und Pflegearbeiten lernen sie verschiedenste Arbeitsprozesse und Arbeitsbedingungen kennen. Die Kinder und Jugendlichen können ihre Kenntnisse über einheimische Bäume ergänzend zum „normalen“ Schulunterricht erweitern. Abwechslung vom Schulalltag, Spaß am gemeinsamen Arbeiten, der Aufenthalt im Freien oder Erfolge, die mit Noten nichts zu tun haben, fördern  die Motivation der Schüler.

 

Februar/März 2007

Im Februar/März beginnen die Aufräumarbeiten „Am Steimel“. Ohne Spezialgerät ist die Arbeit in den Wäldern nirgendwo zu bewältigen. Für einige Tage kommt daher auch in Lindlar im Auftrag der Gemeinde ein sogenannter „Harvester“ zum Einsatz. Einige Zehntklässler des projektorientierten Wahlpflichtunterrichts (WPU) „Garten“ bekommen in Absprache mit Forstamtsfrau Frau Kamp von der Waldschule Schloss Heiligenhoven die Gelegenheit, den Harvester im Einsatz zu sehen. Ranger Herr Funder und einige Arbeiter vor Ort erklären den Schülern die Arbeitsweise des Harvesters und zur Probe dürfen die Schüler einmal die Führerkabine des Harvesters genauer in Augenschein nehmen. Besonders beeindruckt sind die Zehntklässler von den Kosten für eine solche Maschine, die ca. 450 000 € betragen. 

Bei dieser ersten Besichtigung der Windwurffläche „Am Steimel“ kann die WPU-Gruppe leicht nachvollziehen, wie viel Arbeit – trotz bereits laufendem Einsatz - in den von „Kyrill“ betroffenen Gebieten noch vor den Forstämtern und privaten Waldbesitzern liegt.  

Zum Abschluss dieses ersten "Ortstermins" erklärt Ranger Herr Funder einige Punkte der  Vegetationsbestimmung.

 

Der Harvester im Einsatz

Matthias, Serkan und Edita besichtigen den Harvester

 

Matthias, Edita, Dominik, Fabian, Serkan, Timo, Kristina und Ranger Thomas Funder bei der Vegetationsbestimmung

April/Mai 2007

Erst als die größten Aufräumarbeiten "Am Steimel" abgeschlossen sind, können die Schüler und Projektbetreuer das Waldstück, auf dem  in Absprache mit der Gemeinde Lindlar der Schulwald eingerichtet werden darf, "besetzen". Es gilt, letzte Räumarbeiten zu leisten - nicht immer spielt dabei das Wetter mit. So bekommen alle eine Ahnung davon, was es bedeutet, einen Job zu haben, bei dem man bei fast jedem Wetter draußen arbeiten muss.

 

Yvonne und Edita räumen Äste bei Seite - mehr oder weniger begeistert

Timo versucht sich an den größeren Baumresten. So spart man sich das Fitnessstudio Matthias, Timo, Serkan, Fabian, Yvonne, Frau Kirste, Dominik, Edita, Kristina

Juni 2007

Leider schafft es diese Projektgruppe nicht mehr, die Neubepflanzung des Schulwaldes in Angriff zu nehmen. Als Klassenlehrerin der kommenden 5er (Einschulung 2007) überlegt Projektleiterin Anke Kirste mit  Frau Kamp von der Waldschule Schloss Heiligenhoven, wie man die zukünftigen 5er in die Arbeit am Schulwald einbeziehen könnte. Schließlich wird beschlossen, dass jeder Schüler der neuen Fünftklässler im Schulwald seinen "eigenen" Baum pflanzen und kennzeichnen kann. Natürlich  würden die Bäume nicht wirklich den Schülern gehören, aber ein wenig "Besitzerstolz" soll schon angestrebt werden. Aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg.

August 2007

Natürlich brauchen die neuen Fünftklässler und ihre Klassenlehrerinnen Anke Kirste und Gabi Pawelczack erst einmal eine Zeit, um sich im Schulalltag einzufinden. Im September wird dann der Nachmittagsunterricht einmal dazu genutzt, einen ersten Blick auf den Schulwald zu werfen. Dort ist für die Schüler zunächst nicht mehr zu sehen, als ein Stück Waldboden, auf dem es keinen Wald, aber umso mehr Unkraut und Geäst gibt. Die Begeisterung der Schüler hält sich verständlicher Weise in Grenzen.  Schnell finden jedoch einige Schüler die Antwort darauf, warum bei dem Sturm Kyrill hauptsächlich der Fichtenbestand der Wälder vom Windwurf betroffen war, kaum aber Laubbäume. Die Fichten bieten solch starken Stürmen als Flachwurzler nicht genügend Widerstand.

Herbst 2007 und Frühjahr 2008

Obwohl die vorherige Projektgruppe Einiges geleistet hatte, kann Forstamtsfrau Frau Kamp noch kein grünes Licht für die komplette Neubepflanzung geben. Also heißt es nur für einen Teil der Schüler Pflanzen. Der Rest muss weiter aufräumen oder andernorts Pflanzen aus der Naturverjüngung ausmachen. Anfangs arbeiten in diesem Schuljahr eine WPU-Gruppe der Klasse 10 und die Fünftklässler zusammen. Um wirklich etwas zu schaffen, wird jeweils ein ganzer Projekttag eingeplant. In der wohlverdienten Pause gibt es heißen Tee und Hamburger aus der Schulmensa.

Im Wald aufräumen

In unseren Gruppen waren Marco, Lisa T., Colien, Michelle G., Barbara, Marius, Alexander, Felix und ich. Erst haben wir uns in der Mensa getroffen. Dann sind wir los gegangen, durch den Park und durch den Wald, an dem Spielplatz vorbei an das Waldstück. Dort haben wir unsere Taschen unter den Unterstand gelegt. Dann haben wir mit dem Bäume pflanzen angefangen. Erst haben wir ein Loch gebuddelt, dann den Baum eingesetzt und die Erde fest getreten. Als wir keine Bäume mehr hatten, haben Marco, Alex und ich mit den 10ern neue geholt. Wir sind an eine bestimmte Stelle im Wald gegangen. Als wir genug Bäume hatten, sind wir zurück gegangen. 

Nikolai, Klasse 5

 

 Thomas, Kevin, Lisa, Marco, Sorina, Wolfang und Kevin beim Schwedenfeuer- auch Pause muss sein

Der Tag im Wald

Wir haben den Tag aufgeräumt.

Da haben wir Äste auf einen Wurm

Drauf gelegt. Danach kam der Herr

Nagel und hat uns Hamburger

Gebracht. Dann haben wir gegessen.

Danach haben wir weiter gearbeitet.

Danach mussten wir leider nach hause gehen.

Aaron, Klasse 5

 

Forstamtfrau Frau Kamp zeigt Colien Umgang mit der Pflanzhacke

Ina pflanzt eine junge Bucher ein

Colien, Michelle, Berna und Lisa richten mit Hilfe von sogenannten Fluchtstäben eine neue Pflanzreihe aus

Diese Werkzeuge werden gebraucht: Spaten, Gabel, Pflanzhacke und Fluchtstäbe

März 2008

Schließlich ist der Schulwald Ende März 2008 vollständig neu bepflanzt. Es gibt verschiedenste Überlegungen, wie oder womit die Baumpaten "ihren" Baum kennzeichnen können. Letztlich fällt die Entscheidung: In kleine Kupferplättchen werden die Namen der Schüler geschlagen, diese Kupferplättchen werden auf kleine Bruchsteine geklebt. Bei einer kleinen Einweihungsfeier sollen sich dann alle Schüler des 5. Schuljahres (2007/2008) der GHS Lindlar einen Baum aussuchen. Der Termin ist schnell gefunden. Welcher Tag würde sich besser eignen als der 25. April 2008, der "internationale Tag des Baumes"? In mühevoller Arbeit schlagen Zehntklässler die Namensschildchen fertig. Andere Schüler der Klasse 10 arbeiten an den Buntstiften, die zur Kennzeichnung des Schulwaldstückes aufgestellt werden sollen. Und natürlich müssen Einladungen verschickt werden. Die schönste Idee zur Namensgebung des Schulwaldes hat Michelle Grüsges und so heißt der Wald nach ihrem Vorschlag "Palast der Bäume".

 

Dezember 2008 

Mittlerweile hatten die „neu“ gepflanzten Bäume Zeit Wurzeln zu schlagen und ragen daher schon mit durchschnittlich 1,50 Meter in die Höhe. Jeder dieser Bäume ist inzwischen nach der Einweihungsfeier mit einem Stein und dem Namen des Paten versehen. Auch die Buntstifte im Riesenformat sind aufgestellt und kennzeichnen nun die Fläche des Schulwaldes. Damit auch Spaziergänger und Interessierte sich vor Ort über den „Palast der Bäume“ informieren und schlau machen können, steht vor dem Schulwald eine Informationstafel mit vielen Berichten, eigens verfasst von Schülern sowie viele Bilder über die Aufräumarbeiten und die Entstehung des Schulwaldes. Daneben werden auch die neu gepflanzten Baumarten beschrieben und bildlich dargestellt. Um in unserem Schulwald fort an neue Veränderungen sehen zu können, müssen wir ihm nun erstmal Zeit geben um zu wachsen und sich zu entfalten.

Verfasst von: WPU „Garten und Wald“ Klasse 7