Volkstrauertag 2007

Die Gedenkveranstaltung zum Volkstrauertag 2007 im Lindlarer Ratssaal wurde wesentlich mitgestaltet von der WP-Gruppe „Leben und Sterben in Lindlar“ des 8. Schuljahrs unter Leitung von Viola Pfau, die sich auch um die Pflege der Kriegsgräber auf dem Lindlarer Friedhof kümmert. Ein Auszug aus dem vorgetragenen Bericht:

In den vergangenen Jahren, fast seit der Gründung der Hauptschule, haben Schüler unserer Schule Soldatengräber gepflegt. Sogar in Holland waren Schüler unserer Schule. Auch zur Zeit gibt es eine Gruppe Schüler, die freiwillig diese Tätigkeit auf dem Friedhof im Rahmen des Wahlpflichtunterrichts gewählt haben. Einmal in der Woche treffen sich, seit Schuljahresbeginn, 17 Schülerinnen und Schüler um sich unter dem Motto„Leben und Sterben in Lindlar“ gemeinsam mit dem Thema auseinander zusetzen. Wir haben uns mit den alten und neuen Grabstätten auf dem Friedhof befasst, Inschriften gelesen und Symbole nach der Broschüre von Ursula Homberg gesucht und gedeutet.

 Besonders haben wir uns mit den Kriegsgräbern in Lindlar und der Arbeit des Volksbundes deutscher Kriegsgräberfürsorge (VDK) befasst. Im Internet haben wir bei „Gräbersuche Online“ das Schicksal von gefallenen Verwandten verfolgt. In Lindlar haben wir die Kriegsgräber mit Wurzelbürsten und Zahnbürsten geschrubbt. (WPU-Gruppe 8)

1920 fand die erste Sammlung des VDK statt. 87 Jahre später sammeln auch wir in Lindlar Ein Mitarbeiter des VDK hat uns genauestens über die Arbeit des VDK informiert. Was wir nicht vergessen wollen: Auch heute noch geschehen Gewalttaten, bei denen Menschen zu Tode kommen. 42 Kriege gibt es zur Zeit auf dieser Erde, aber auch Amokläufe oder andere Gewalttaten bringen für die beteiligten Menschen viel Leid. "Wo Gewalt letztlich endet, zeigen die Gräber"

Schüler geben Kreuzen ein Gesicht

VON SABINE LUDWIG

LINDLAR. Es gibt angesagte Arbeitsgemeinschaften wie Kosmetik, Technik oder Volleyball. Die 17 Achtklässler der Hauptschule haben sich jedoch ganz bewusst woanders angemeldet - und zwar beim Kurs „Leben und Sterben in Lindlar“. Hier beschäftigen sich die Schüler mit alten und neuen Grabstätten auf dem heimischen Friedhof, lesen Inschriften, deuten Symbole und pflegen die Kriegsgräber in Lindlar. Und auch die Feier zum Volkstrauertag in Lindlar haben sie mitgestaltet. „Das ist total interessant“, schwärmt Lucia. Und auch Marc könnte sich kein anderes Wahlpflichtfach vorstellen, gibt es im Unterricht „doch immer etwas Neues“. So waren die Schüler vor kurzem auf dem Friedhof Melaten in Köln, um sich dort die alten Gräber anzusehen - und sie waren entsetzt über den Zustand der Kriegsgräber. „Dort kümmert sich anscheinend niemand darum.“ In Lindlar rücken die Schüler den Gräbern mit Zahn- und Wurzelbürste zu Leibe und haben einen Riesenspaß dabei. Aktuell haben sie vor, die Grabschriften, mittlerweile verblasst, zu erneuern.

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Das Wahlpflichtfach geht auf die Initiative einer Frielingsdorfer Schülerin zurück, die 1993 Fotos mit in den Unterricht brachte, die ihr Großvater in den Kriegsjahren in Kastela und Split aufgenommen hatte. Dieser kam dann später auch in die Schule und berichtete von seinen Erlebnissen - gespannt folgten die Schüler damals den Erzählungen des Zeitzeugen, berichtet Hauptschulrektor Robert Wagner. Und sie waren entsetzt, als ihnen klar wurde, wie jung die Männer waren, deren Leben dort so früh zu Ende ging. Für die jetzigen Achtklässler ist der Umgang mit dem Tod und der Besuch eines Friedhofs ganz natürlich. „Das macht uns nichts aus, da haben wir keine Scheu“, meinten sie einhellig. Und Lehrerin Viola Rossol-Pfau lobt ihre Gruppe: „Die Schüler sind sehr engagiert.“ So waren auch alle mit dabei, als es darum ging, für den Volksbund deutscher Kriegsgräberfürsorge (VdK) eine Spendensammlung durchzuführen. Der Erlös wurde der Gemeinde zur Pflege der Kriegsgräber überreicht.

Als neuestes Projekt forschen sie zudem unter der Internetadresse des „VdK Gräbersuche online“ nach Lindlarer Kriegsopfern, die nicht in der Heimat begraben wurden - und stießen dabei zu ihrer Überraschung auf 62 Gefallene oder Vermisste, darunter übrigens auch eine Frau, deren sterbliche Überreste noch in Russland oder der Ukraine begraben sind. „Wir werden versuchen, etwas über die Personen herauszukriegen“, sagt Rossol-Pfau. „Und wir werden nachforschen, ob es noch Verwandte gibt, die uns etwas erzählen können. Unser Ziel ist es, Kreuzen ein Gesicht zu geben.“                                                 BLZ 19.1.2008 –