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VON SABINE LUDWIG |
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| LINDLAR. Es gibt angesagte Arbeitsgemeinschaften wie Kosmetik, Technik oder Volleyball. Die 17 Achtklässler der Hauptschule haben sich jedoch ganz bewusst woanders angemeldet - und zwar beim Kurs „Leben und Sterben in Lindlar“. Hier beschäftigen sich die Schüler mit alten und neuen Grabstätten auf dem heimischen Friedhof, lesen Inschriften, deuten Symbole und pflegen die Kriegsgräber in Lindlar. Und auch die Feier zum Volkstrauertag in Lindlar haben sie mitgestaltet. „Das ist total interessant“, schwärmt Lucia. Und auch Marc könnte sich kein anderes Wahlpflichtfach vorstellen, gibt es im Unterricht „doch immer etwas Neues“. So waren die Schüler vor kurzem auf dem Friedhof Melaten in Köln, um sich dort die alten Gräber anzusehen - und sie waren entsetzt über den Zustand der Kriegsgräber. „Dort kümmert sich anscheinend niemand darum.“ In Lindlar rücken die Schüler den Gräbern mit Zahn- und Wurzelbürste zu Leibe und haben einen Riesenspaß dabei. Aktuell haben sie vor, die Grabschriften, mittlerweile verblasst, zu erneuern. |
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Das
Wahlpflichtfach geht auf die Initiative einer Frielingsdorfer Schülerin
zurück, die 1993 Fotos mit in den Unterricht brachte, die ihr Großvater
in den Kriegsjahren in Kastela und Split aufgenommen hatte. Dieser kam
dann später auch in die Schule und berichtete von seinen Erlebnissen -
gespannt folgten die Schüler damals den Erzählungen des Zeitzeugen,
berichtet Hauptschulrektor Robert Wagner. Und sie waren entsetzt, als
ihnen klar wurde, wie jung die Männer waren, deren Leben dort so früh zu
Ende ging. Für die jetzigen Achtklässler ist der Umgang mit dem Tod und
der Besuch eines Friedhofs ganz natürlich. „Das macht uns nichts aus,
da haben wir keine Scheu“, meinten sie einhellig. Und Lehrerin Viola
Rossol-Pfau lobt ihre Gruppe: „Die Schüler sind sehr engagiert.“ So
waren auch alle mit dabei, als es darum ging, für den Volksbund deutscher
Kriegsgräberfürsorge (VdK) eine Spendensammlung durchzuführen. Der Erlös
wurde der Gemeinde zur Pflege der Kriegsgräber überreicht. Als neuestes Projekt forschen sie zudem unter der Internetadresse des „VdK Gräbersuche online“ nach Lindlarer Kriegsopfern, die nicht in der Heimat begraben wurden - und stießen dabei zu ihrer Überraschung auf 62 Gefallene oder Vermisste, darunter übrigens auch eine Frau, deren sterbliche Überreste noch in Russland oder der Ukraine begraben sind. „Wir werden versuchen, etwas über die Personen herauszukriegen“, sagt Rossol-Pfau. „Und wir werden nachforschen, ob es noch Verwandte gibt, die uns etwas erzählen können. Unser Ziel ist es, Kreuzen ein Gesicht zu geben.“ – BLZ 19.1.2008 –
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